Tee gegen Erkältung: Welche Sorten wirklich helfen
200 Erkältungen im Leben - und Tee war schon bei der ersten dabei
Die durchschnittliche Person erkältet sich laut dem Robert Koch-Institut zwei- bis viermal pro Jahr. Hochgerechnet auf ein ganzes Leben sind das über 200 Erkältungen. Medikamente lindern Symptome, bekämpfen aber selten die Ursache - denn Erkältungen werden von über 200 verschiedenen Virustypen ausgelöst, gegen die es keine gezielte Therapie gibt.
Was bleibt? Ruhe. Flüssigkeit. Und Tee.
Tee gegen Erkältung ist eines der ältesten Hausmittel überhaupt, und das aus gutem Grund: Warme Flüssigkeit befeuchtet gereizte Schleimhäute, bestimmte Pflanzenstoffe können entzündungshemmend wirken, und das Ritual des Teetrinkens selbst zwingt uns zur Pause - etwas, das wir im Kranksein oft vergessen. Wir bei Fio Tea beobachten jedes Jahr ab Oktober denselben Trend: Die Nachfrage nach Kräutertees verdreifacht sich fast, und die häufigste Frage unserer Kunden lautet: Welcher Tee hilft wirklich?
Diese Frage beantworten wir hier. Ehrlich, mit konkreten Sorten und Zubereitungstipps.
Kamillentee: Der Klassiker mit wissenschaftlicher Rückendeckung
80 Millionen Tassen Kamillentee werden in Deutschland jährlich getrunken - keine andere Heilpflanze ist so tief in der deutschen Hausapotheke verwurzelt. Doch wirkt Kamille tatsächlich, oder ist das nur Tradition?
Eine Metaanalyse im Molecular Medicine Reports (2010) untersuchte die pharmakologischen Eigenschaften von Matricaria chamomilla. Das Ergebnis: Die enthaltenen Flavonoide Apigenin und Quercetin zeigen in vitro entzündungshemmende und krampflösende Eigenschaften. Auf den Erkältungstee übertragen bedeutet das: Kamille kann gereizte Schleimhäute beruhigen und Halsschmerzen lindern.
Der Trick liegt in der Ziehzeit. Drei Minuten ergeben ein mildes Getränk. Sieben bis zehn Minuten lösen deutlich mehr ätherische Öle und Flavonoide - erst dann entfaltet die Kamille ihr volles Potenzial. Abdecken beim Ziehen ist Pflicht, sonst verdampfen die flüchtigen Wirkstoffe mit dem Dampf.
Wir empfehlen: Frische, ganze Kamillenblüten statt Beuteltee. Der Unterschied in Aroma und Wirkstoffgehalt ist enorm. Wer mehr über die Wirkungsweise erfahren möchte, findet in unserem Teewissen-Bereich einen ausführlichen Artikel über Kamillentee und seine Wirkung.
Pfefferminztee: Frei durchatmen bei verstopfter Nase
Kennst du das? Die Nase ist zu, der Kopf brummt, und jeder Atemzug fühlt sich an wie durch einen Strohhalm. Genau hier setzt Pfefferminztee an.
Menthol - der Hauptwirkstoff der Pfefferminze - aktiviert den TRPM8-Kälterezeptor in der Nasenschleimhaut. Das erzeugt ein Frischegefühl und kann die subjektive Wahrnehmung der Nasenatmung verbessern, auch wenn die Schwellung noch nicht vollständig abgeklungen ist. Eine Studie im American Journal of Rhinology & Allergy (2014) bestätigte diesen Effekt bei Probanden mit Erkältungssymptomen.
Aber Pfefferminztee kann mehr als Nasen befreien. Das Menthol wirkt leicht schmerzlindernd, was bei Halsschmerzen angenehm ist. Und die antimikrobiellen Eigenschaften des ätherischen Öls - untersucht unter anderem von Forschern der Universität Freiburg - deuten darauf hin, dass Pfefferminze das Wachstum bestimmter Bakterien hemmen kann. Keine Wunderwaffe. Aber ein solider Verbündeter.
Wichtig: Kochendes Wasser verwenden und mindestens fünf Minuten ziehen lassen. Für den Inhalationseffekt die Tasse nah ans Gesicht halten und den Dampf einatmen, bevor du trinkst. Mehr über die vielfältigen Eigenschaften der Pfefferminze findest du in unserem Artikel über Pfefferminztee und seine Wirkung.
Ingwertee: Scharf gegen Schüttelfrost
6-Gingerol. So heißt der Stoff, der Ingwer seine Schärfe verleiht - und der gleichzeitig für die meisten gesundheitlichen Effekte verantwortlich ist.
Eine systematische Übersichtsarbeit im International Journal of Preventive Medicine (2013) analysierte 60 Studien zur Wirkung von Ingwer. Die Evidenz für entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften wurde als moderat bis gut bewertet. Bei Erkältungen kann Ingwer auf zwei Ebenen helfen: Die Schärfe regt die Durchblutung an und erzeugt ein wärmendes Gefühl von innen - ideal gegen Frösteln. Gleichzeitig können die Gingerole laut einiger Untersuchungen die Produktion von Schleim fördern und so beim Abhusten unterstützen.
Unsere Empfehlung aus der Praxis: Frischen Ingwer in dünne Scheiben schneiden, nicht reiben. Geriebener Ingwer macht den Tee oft unangenehm trüb und übermäßig scharf. Vier bis fünf Scheiben auf 300 ml Wasser, zehn Minuten köcheln lassen. Ein Teelöffel Honig und der Saft einer halben Zitrone machen den Tee nicht nur schmackhafter, sondern liefern zusätzlich Vitamin C.
Thymiantee: Das unterschätzte Hustenmittel
Hier kommt der Geheimtipp. Während alle Welt zu Kamille und Ingwer greift, steht Thymian oft unbeachtet im Gewürzregal - dabei ist er eine der wenigen Teepflanzen, deren Wirkung bei Husten tatsächlich durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) als traditionelles pflanzliches Arzneimittel anerkannt ist.
Thymol und Carvacrol, die beiden Hauptbestandteile des ätherischen Öls, wirken nachweislich krampflösend auf die Bronchialmuskulatur. Eine klinische Studie im Arzneimittel-Forschung/Drug Research (2006) mit 361 Patienten zeigte, dass Thymianextrakt die Dauer und Intensität von akutem Husten signifikant reduzieren kann.
Entgegen der gängigen Empfehlung, möglichst viele Kräuter zu mischen, halten wir bei Fio Tea reinen Thymiantee bei Husten für die bessere Wahl. Mischungen verwässern die Wirkstoffkonzentration. Ein Teelöffel getrockneter Thymian auf 200 ml kochendes Wasser, acht Minuten abgedeckt ziehen lassen - das ergibt einen intensiven, leicht herben Tee, der gezielt wirkt.
Die richtige Zubereitung macht den Unterschied
2 Minuten Ziehzeit oder 10? Mit Deckel oder ohne? Bei Erkältungstees entscheiden diese Details über Wirkung oder Wirkungslosigkeit.
Drei goldene Regeln:
Temperatur: Kräutertees brauchen kochendes Wasser (100 °C). Anders als bei grünem oder weißem Tee, wo niedrigere Temperaturen Bitterkeit vermeiden, benötigen Kräuter die volle Hitze, um ihre ätherischen Öle freizusetzen. Lauwarmes Wasser ergibt nur ein gefärbtes Getränk ohne nennenswerte Wirkstoffkonzentration.
Ziehzeit: Minimum fünf Minuten, besser acht bis zehn. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für therapeutische Zwecke sogar bis zu 15 Minuten Ziehzeit. Ja, das schmeckt intensiver. Aber genau das ist gewollt.
Abdecken: Immer. Die ätherischen Öle - also genau die Stoffe, die bei Erkältung helfen sollen - sind flüchtig. Ohne Deckel entweichen sie mit dem Dampf. Ein Unterteller auf der Tasse reicht völlig aus.
Und noch ein Tipp, den wir unseren Kunden immer mitgeben: Drei bis vier Tassen über den Tag verteilt trinken, nicht eine große Kanne auf einmal. Die regelmäßige Zufuhr hält die Schleimhäute kontinuierlich feucht.
Welcher Tee bei welchem Symptom?
Nicht jede Erkältung ist gleich. Mal kratzt der Hals, mal sitzt der Husten fest, mal läuft die Nase wie ein offener Wasserhahn. Die richtige Sortenwahl kann gezielt unterstützen:
Halsschmerzen: Kamillentee mit einem Teelöffel Honig. Die Kamille beruhigt, der Honig legt sich wie ein Film auf die gereizte Schleimhaut. Eine Studie im Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine (2007) zeigte, dass Buchweizenhonig bei Kindern Hustenreiz besser linderte als Dextromethorphan - das sollte man sich merken.
Verstopfte Nase: Pfefferminztee, möglichst heiß. Den Dampf bewusst einatmen. Wer mag, kann zusätzlich einen Tropfen Eukalyptusöl auf ein Tuch geben und neben die Tasse legen.
Husten (trocken): Thymiantee, pur und stark. Die krampflösende Wirkung auf die Bronchien kann den Hustenreiz dämpfen.
Husten (verschleimt): Ingwertee. Die Schärfe löst und die Gingerole können den Abtransport von Schleim fördern.
Allgemeines Unwohlsein und Frösteln: Ingwertee mit Zimt und Honig. Wärmt von innen.
Wann Tee nicht mehr reicht
Ehrlich gesagt: Tee ist kein Medikament. Das muss klar sein.
Wenn das Fieber über 39 °C steigt und länger als drei Tage anhält, wenn eitriger Auswurf auftritt, wenn die Atemnot zunimmt oder wenn sich die Symptome nach einer Woche nicht bessern - dann ist der Gang zum Arzt keine Option, sondern Pflicht. Tee kann eine ärztliche Behandlung unterstützen, aber niemals ersetzen.
Auch bei Säuglingen und Kleinkindern unter einem Jahr ist Vorsicht geboten. Bestimmte ätherische Öle, insbesondere Menthol und Thymol, können bei Säuglingen einen Stimmritzenkrampf auslösen. Hier immer zuerst den Kinderarzt fragen.
Für alle anderen gilt: Nase putzen, Tee aufgießen, Decke hochziehen. Gute Besserung.
Quellen
- Srivastava JK, Shankar E, Gupta S: Chamomile — A herbal medicine of the past with bright future. Molecular Medicine Reports, 2010;3(6):895-901
- Eccles R et al.: The effects of menthol isomers on nasal sensation of airflow. American Journal of Rhinology & Allergy, 2014;28(1):e1-e4
- Haniadka R et al.: A review of the gastroprotective effects of ginger (Zingiber officinale Roscoe). International Journal of Preventive Medicine, 2013;4(6):624-630
- Kemmerich B et al.: Efficacy and tolerability of a fluid extract combination of thyme herb and ivy leaves for acute bronchitis. Arzneimittel-Forschung/Drug Research, 2006;56(9):652-660
- Paul IM et al.: Effect of honey, dextromethorphan, and no treatment on nocturnal cough and sleep quality. Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine, 2007;161(12):1140-1146
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