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Teewissen

Teesorten im Überblick: Von Grüntee bis Rooibos

von Daniele Fiorentino
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Teesorten im Überblick: Von Grüntee bis Rooibos

3.000 Teesorten - und fast alle stammen von einer einzigen Pflanze

Über 3.000 registrierte Teesorten gibt es weltweit - doch fast alle haben eine gemeinsame Quelle: die Teepflanze Camellia sinensis. Ob Darjeeling, Gyokuro, Assam oder silberweißer Bai Hao Yinzhen - sie alle sind Blätter und Knospen desselben Strauchs, nur unterschiedlich verarbeitet.

Was viele nicht wissen: Kräutertees wie Kamille, Pfefferminze oder Rooibos gehören botanisch gesehen gar nicht zur Familie des “echten” Tees. Sie sind Aufgussgetränke aus anderen Pflanzenteilen - in der Fachsprache spricht man von Tisanes oder Kräuterinfusionen.

Diese Unterscheidung klingt akademisch, ist aber für die Praxis entscheidend. Echter Tee enthält Koffein und L-Theanin. Kräutertees in der Regel nicht. Wer abends entspannt schlafen möchte, trifft damit eine andere Wahl als beim Frühstückstee.

Schwarzer Tee: Volloxidiert und der meistkonsumierte weltweit

78 Prozent des global konsumierten Tees ist schwarzer Tee - keine andere Teesorte kommt auch nur annähernd heran. In Deutschland liegt der Anteil ähnlich hoch, wobei Ostfriesland mit seinem Ritualtee eine eigene Teekultur entwickelt hat, die mit dem britischen Nachmittagstee kaum zu vergleichen ist.

Was macht schwarzen Tee zu schwarzem Tee? Vollständige Oxidation. Die geernteten Blätter werden gerollt, was die Zellstruktur aufbricht und Enzyme freisetzt - dann lässt man sie 2 bis 4 Stunden an der Luft oxidieren. Dabei entsteht der dunkle Farbstoff durch die Umwandlung von Catechinen in Theaflavine und Thearubigine.

Koffeingehalt: je nach Herkunft und Ziehzeit zwischen 40 und 70 Milligramm pro Tasse. Assam aus Nordindien liegt oft am oberen Ende, Darjeeling First Flush eher darunter. Wir bei Fio Tea empfehlen, Assam und Darjeeling nicht nach demselben Rezept zuzubereiten - Assam verträgt 95 bis 100 °C und 4 Minuten, Darjeeling First Flush wird bei 85 bis 90 °C und 3 Minuten wesentlich aromatischer und weniger bitter.

Wer einen klassischen englischen Schwarztee sucht, der morgens zuverlässig wacht: Unser Bio Schwarzer Tee Englische Blattmischung ist eine ausgewogene Blattmischung aus Assam und Ceylon - vollmundig, aber nicht bitter. Mehr über die Wirkungsweise schwarzen Tees findest du in unserem ausführlichen Artikel über Schwarzen Tee und seine Wirkung.

Grüner Tee: Unoxidiert, mit einer Geschichte von 2.700 Jahren

Der erste dokumentierte Grüntee-Konsum datiert auf das Jahr 700 v. Chr. in China. Das macht grünen Tee zu einem der ältesten Getränke der Menschheit - und gleichzeitig zum meistuntersuchten unter den Teesorten.

Grüner Tee wird nicht oxidiert. Nach der Ernte werden die Blätter sofort erhitzt - in China meist durch Pfannenröstung, in Japan durch Dämpfen (Mushi-Verfahren). Diese thermische Behandlung stoppt die Enzyme, die Oxidation einleiten würden, und erhält die grüne Farbe sowie die charakteristischen Catechine.

EGCG - Epigallocatechingallat - ist der am intensivsten erforschte Wirkstoff im Grüntee. Studien deuten darauf hin, dass EGCG entzündungshemmende Eigenschaften haben kann. Was wir dagegen mit Bestimmtheit sagen können: Grüntee schmeckt bei falscher Zubereitung bitter. Die häufigste Fehlerquelle sind zu hohe Wassertemperaturen - kochendes Wasser auf Sencha oder Gyokuro ergibt einen unangenehm herben Tee. 70 bis 80 °C sind die richtige Temperatur, 2 bis 3 Minuten Ziehzeit.

Wir bei Fio Tea haben hunderte Kunden erlebt, die dachten, sie mögen keinen Grüntee - und die dann nach dem ersten richtig zubereiteten Gyokuro ihre Meinung revidiert haben. Temperatur ist alles.

Wer einsteigen möchte: Unser Bio Grüner Tee Sencha ist ein japanischer Sencha in Bioqualität - grasig-frisch, mit milder Süße. Für eine leichtere Variante empfiehlt sich der Bio Grüntee Zitrone, der die Frische des Grüntees mit natürlichem Zitronenaroma verbindet. Für einen detaillierten Überblick über die Wirkungsweise empfehlen wir unseren Artikel über Grünen Tee und seine Wirkung.

Weißer Tee: Kaum verarbeitet, teuerste Rohstoffe

Bai Hao Yinzhen - auf Deutsch “Silberne Nadeln” - ist der bekannteste weiße Tee der Welt. Nur unbeschädigte, noch geschlossene Knospen werden geerntet, das gesamte Ernte-Fenster umfasst gerade einmal zwei Wochen im Jahr in der Fujian-Provinz in China. Rund 30.000 handgepflückte Knospen ergeben ein Kilogramm Tee.

Weißer Tee wird nicht oxidiert, kaum erhitzt, nur getrocknet. Das ist seine gesamte Verarbeitung. Der Koffeingehalt ist mit 15 bis 30 Milligramm pro Tasse der niedrigste unter den echten Teesorten. Der Geschmack: floral, leicht süßlich, kaum bitter - wenn er richtig zubereitet wird. 70 bis 75 °C, 5 bis 7 Minuten.

Ein Detail, das die meisten Teetrinker überrascht: Weißer Tee ist nicht automatisch der gesündeste. Der Catechin-Gehalt von hochwertigem Gyokuro oder Matcha übertrifft viele weiße Tees deutlich. Das Prestige des weißen Tees erklärt sich mehr durch die aufwendige Ernte als durch überlegene Inhaltsstoffe.

Oolong: Das Spektrum zwischen Grün und Schwarz

Oolong bedeutet auf Chinesisch “Schwarzer Drache”. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine ganze Tee-Kategorie, die von leicht oxidierten grünlichen Sorten bis zu fast schwarzen, vollröstigen Varianten reicht.

Der Oxidationsgrad liegt zwischen 15 und 85 Prozent - das ist die entscheidende Variable bei Oolong. Ein Taiwanese High Mountain Oolong mit 20 Prozent Oxidation schmeckt frisch, blumig, fast wie Grüntee. Ein Wuyi Rock Oolong (Yancha) mit 70 Prozent Oxidation ist dunkel, mineralisch, mit einer langen röstigen Nachsüße.

Koffeingehalt: 25 bis 45 Milligramm, im mittleren Bereich der Teesorten-Skala. Die Zubereitung ist sortenabhängig - als grobe Faustregel gilt: Je dunkler der Oolong, desto höher die Wassertemperatur (bis zu 95 °C) und desto kürzer die erste Ziehzeit (20 bis 30 Sekunden bei der traditionellen Gongfu-Zubereitung).

Entgegen der weitverbreiteten Meinung sind Oolong-Tees für Einsteiger keine gute Wahl. Die Bandbreite ist zu groß, die Zubereitungsunterschiede zu komplex. Wer Tee neu entdeckt, ist mit einem guten Sencha oder einem klassischen Darjeeling besser beraten.

Kräutertees: Tisanes ohne Koffein

Kamille. Pfefferminze. Rooibos. Diese drei repräsentieren die drei Hauptkategorien der Kräutertees: Blütentees, Blättertees und Busch-Infusionen.

Kamille (Matricaria chamomilla) enthält Apigenin - ein Flavonoid, das in der Forschung auf mögliche beruhigende und entzündungshemmende Eigenschaften untersucht wird. Was wenige beim Kauf beachten: Kamillenblüten sollten leuchtend goldgelb sein, nicht hellgelb oder verblasst. Zu hell bedeutet zu früh oder zu lange gelagert, mit deutlich geringerem ätherischem Öl-Gehalt. Unser Bio Kamillenblüten Tee besteht aus ganzen Blüten in zertifizierter Bioqualität. Mehr dazu im Artikel über Kamillentee Wirkung.

Pfefferminze (Mentha piperita) enthält bis zu 4 Prozent ätherisches Öl, davon 30 bis 55 Prozent Menthol. Der Menthol-Anteil ist für das charakteristische Kühlegefühl verantwortlich - und dafür, dass die Nasenatmung freier erscheinen kann, auch wenn keine echte Entstauung stattgefunden hat. Bei Kindern unter zwei Jahren sollte Pfefferminztee vermieden werden, da konzentriertes Menthol den Atemreflex beeinflussen kann. Wer eine unkomplizierte Alltagsoption sucht: Unser Bio Pfefferminz Tee kommt aus kontrolliert biologischem Anbau und überzeugt durch ein intensives, klares Mentholaroma. Alles Wichtige dazu im Artikel über Pfefferminztee Wirkung.

Rooibos (Aspalathus linearis) wächst ausschließlich im Cederberg-Gebirge in der südafrikanischen Provinz Western Cape - nirgendwo sonst auf der Welt. Jährlich werden etwa 15.000 Tonnen geerntet. Kein Koffein, kein Tannin, mild-nussiger Geschmack. Wer empfindlich auf Säure oder Koffein reagiert, findet in Rooibos einen verlässlichen Alltagsbegleiter.

Früchtetees sind die vierte Kategorie - botanisch gesehen ebenfalls keine “echten” Tees, aber beliebt wegen ihrer natürlichen Süße und dem vollständigen Verzicht auf Koffein. Wir bei Fio Tea setzen bei Früchtetees auf Qualität statt Aroma-Zuckerzusatz: Der Bio Orange Tee verbindet Hibiskus und Hagebuttenschalen mit natürlichem Orangenaroma - fruchtig, säuerlich, ohne künstliche Zusatzstoffe. Der Bio Passionsfrucht Tee bringt tropische Leichtigkeit ins Glas, mit Passionsfrucht und Apfelstücken als Basis. Und der Bio Waldfrucht Tee vereint Brombeere, Johannisbeere und Walderdbeere zu einem tiefroten, intensiv fruchtigen Aufguss - ideal auch kalt als Eistee.

Welche Teesorte passt zu welchem Anlass?

Nicht jede Teesorte passt zu jeder Situation. Hier eine praxisnahe Übersicht, die wir aus jahrelangem Teehandel im Schwarzwald destilliert haben:

Morgens mit Konzentrationsbedarf: Bio Schwarzer Tee Englische Blattmischung oder Matcha. Beide liefern Koffein plus L-Theanin - diese Aminosäure-Kombination kann im Gegensatz zu Kaffee eine ruhige, fokussierte Wachheit fördern, ohne den abrupten Energieschub und den späteren Absturz.

Nachmittags, grüne Frische: Bio Grüner Tee Sencha oder Bio Grüntee Zitrone. Mittlerer Koffeingehalt, belebendes Aroma.

Abends: Bio Kamillenblüten Tee, Bio Pfefferminz Tee oder einer der Früchtetees. Koffeinfrei, entspannend.

Als Eistee oder kalt: Bio Waldfrucht Tee, Bio Passionsfrucht Tee oder Bio Orange Tee. Alle drei eignen sich kalt aufgebrüht hervorragend als Sommergetränk ohne Zusatzstoffe.

Bei Erkältung oder Unwohlsein: Bio Kamillenblüten Tee oder Bio Pfefferminz Tee. Nicht zur Heilung, aber als wohltuende Unterstützung.

Fang mit zwei oder drei Sorten an, die du wirklich gut kennst, statt zwanzig Sorten gleichzeitig auszuprobieren. Geschmack bildet sich durch Wiederholung. Wer Sencha dreimal schlecht zubereitet hat, wird ihn mögen - sobald er ihn einmal richtig zubereitet hat.

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